Burn Out durch Videokonferenz?

Leuchten Ihre Mitarbeitenden noch oder sind sie schon digital ausgebrannt?

Nach fast 2 Monaten der digitalen Zusammenarbeit zeigen sich die Vor- und Nachteile der Remote Arbeit. Lange hat der deutsche Arbeitsmarkt die Arbeit von zu Hause herbei gesehnt. Doch in den letzten Wochen zeigte sich, es fehlt in den Unternehmen nicht nur an der digitalen Infrastruktur für die Arbeit von zu Hause. Vielmehr fehlt es an grundlegenden Techniken und Methoden, um digitales Arbeiten nachhaltig und gesund möglich zu machen.

Um die Produktivität auch in der digitalen Zusammenarbeit zu sichern, braucht es nicht notwendigerweise mehr oder längere Videokonferenzen. Es braucht vor allem ein Bewusstsein darüber, wie man diese Art der Zusammenarbeit gesund gestaltet. Nach unzähligen Gesprächen mit Mitarbeitenden und Führungskräften, die immer öfter ermüdet und erschöpft vor dem Bildschirmen erscheinen, plädiere ich hier und heute für mehr Achtsamkeit in der digitalen Arbeit.

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Die Big Fails der digitalen Zusammenarbeit

Die folgenden Big Fails der digitalen Zusammenarbeit sind ein Aufruf an alle, die nach den Corona-Lockerungen mit frischen Schwung ins Büro zurück kehren wollen.

1) Onlinemeetings brauchen Struktur:

Ob digital oder vor Ort, ein gutes Meeting basiert auf einer guten Organisation. Wenn aber Agenda und ein klar kommuniziertes Ziel des Meetings fehlen, fällt die Konzentration umso schwerer. Kommt noch dazu, dass es weder Moderator*In noch Timekeeper gibt, wird das Meeting noch anstrengender.

Mein Tipp: Disziplinieren Sie sich als Führungskraft oder Teamleiter*In selbst und gehen Sie mit gutem Beispiel voran. Je klarer Agenda, Ziel, Moderation und Timekeeping, desto effektiver das Onlinemeeting. Das bedeutet auch, dass Meetings gut vor- und nachbereitet werden und nicht nur um des Meetings willen abgehalten werden.

2) Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser:

Führen über Distanz bedeutet Abschied nehmen von Führungsmodellen, die auf Kontrolle und Absicherung bestehen. Wenn nun also der schnelle Kontrollgang über den Flur wegfällt, ebenso wie die Möglichkeit des spontanen Zurufs von „Kannst du das mal kurz machen“, gilt es, gute Wege zu finden, um gemeinsam den Fortschritt von Aufgaben und Projekten zu sichern.

Mein Tipp: Digitale Kollaborationstools wie Miro oder Mural bieten eine gute Möglichkeit, Projektfortschritte zu dokumentieren und den Austausch im Team darüber zu unterstützen.

3) Echte Agilität heißt nicht, mehr Meetings:

Immer mehr Teams, Business Units und Einheiten arbeiten mit den sog. Daily Scrums oder morgentlichen Check-In’s. Das ist ein toller Weg, agiles Arbeiten zu unterstützen. Doch Achtung: Manche/r Mitarbeiter*In verbringt aktuell ganze Vormittage damit, von einem Morgencall zum nächsten zu „rennen“. So geht der Vormittag vorbei, ohne dass die Mitarbeitenden produktiv geworden sind und sich ihren Tätigkeiten widmen konnten. Nicht wenige berichten von einer Mittagserschöpfung, die sie so bisher nicht kannten.

Mein Tipp: Prüfen Sie gemeinsam mit dem Team welche Meetings, Morgentlichen Check In’s etc. nötig sind. Sprechen Sie offen darüber, wer bei welchen Meetings anwesend sein muss und welche Meetings gekürzt und/oder gestrichen werden können. Schaffen Sie Raum für fokussiertes Arbeiten!

4) Die menschliche Begegnung kommt zu kurz:

Menschliches Miteinander lebt von der sozialen Begegnung, die spontan in Kaffeeküchen oder auf dem Flur geschieht. All das fällt aktuell weg. Stattdessen sind manche Mitarbeitenden überlastet mit Familie zu Hause und müssen Arbeit und Privates gleichzeitig organisieren. Andere hingegen sind allein zu Hause und vermissen soziale Kontakte. Das hat Effekte auf die Zusammenarbeit.

Mein Tipp: Beginnen Sie jedes Meeting mit einem kurzen Check-In, während dem jede/r teilt, wie es ihm/ihr gerade geht. Das Teilen belastender Gedanken hilft schon, diese Gedanken loszulassen. Schließen Sie das Meeting auch gemeinsam ab, in dem jede/r kurz festhält, was er/sie aus dem Meeting mitnimmt. Das kann eine Aufgabe oder eine Erkenntnis sein. So hat das Meeting auch ein klares Ende.

5) Keine Angst vor der Technik:

Die Nutzung von Zoom, Teams & Co. für Onlinekonferenzen, sowie die Integration von Kollaborationstools wie Miro, Slack & Co. stellen viele Menschen vor Herausforderungen. Neue Technologien bergen für viele Menschen Unsicherheiten. Manche haben bis heute Angst, dass sie bei einem falschen Klick das Internet kaputt machen. Diese Unsicherheit wird noch verstärkt, wenn man dabei per Video von den Kolleg*Innen beobachtet wird.

Mein Tipp: Stellen Sie als Meetingorganisator und Moderator sicher, dass die Technik vorab funktioniert und sprechen Sie während der Einführung neuer Methoden darüber, was Sie tun. Beispiel: „Ich teile jetzt meinen Screen und führe Euch durch das Miro Board. Dieses funktioniert wie folgt….“ Zudem ist es wichtig, dass Sie selbst Ruhe und Geduld ausstrahlen und auch bei schlechter Internetübertragung, verzerrten Stimmen oder unterbrochenen Videoverbindungen nicht ihre Gelassenheit verlieren.

6) The elephant in your room:

Videokonferenzen sind anstrengend. Wir Menschen befinden uns in unseren privaten Räumen und plötzlich sitzt der Chef und sämtliche Kolleg*Innen bei uns im Wohnzimmer. Manche Mutter und mancher Vater haben morgens um 8 Uhr den ersten Video-Call, haben es aber noch nicht geschafft, sich schick zu machen. Trotzdem tauchen alle mit Video und Bild auf, d.h. für die Eltern auch mal, in Jogginghose dem Chef „Hallo“ zu sagen. Dabei fühlt sich nicht jede/r wohl – und andersherum tendieren wir Menschen auch nach dem Aussehen zu bewerten. In anderen Worten: Videokonferenzen sind anstrengend. Die hohe Konzentration, die Nähe des Gesichts zum Bildschirm, die Anwesenheit der Kolleg*Innen im Wohnzimmer können hohen Stress verursachen.

Mein Tipp: Erlauben Sie sich im Team gegenseitig auch mal an einer Videokonferenz ohne Bild teilzunehmen. Fragen Sie zudem, wenn es sich nur um ein Meeting unter 2 Personen handelt, ob es möglich ist, zu telefonieren anstatt sich per Videokonferenz einzuwählen. Sie werden merken, wie der allgemeine Stresspegel sinkt.

7) Pausen! Pausen! Pausen!

Durch die Arbeit zu Hause entstehen Bewegungsmangel. Immer mehr Angestellte berichten davon, dass sie von 8 – 18 Uhr (oder länger) nicht von ihrem Bildschirm wegkommen. Der Mangel an Bewegung ist ebenso ungesund wie die langen Zeiten vor dem Computer.

Mein Tipp: Machen Sie Pausen und halten Sie die Onlinekonferenzen kurz. Meistens reichen 30 Minuten für ein gutes Meeting vollkommen aus! Die Pausen können Sie nutzen für ein paar Runden um den Block. Oder fokussieren Sie sich zwischen 2 Meetings bewusst auf eine Pflanze oder einen Garten. Das entspannt die Augen. Auch tiefes Ein- und Ausatmen hilft dabei, wieder zu sich zu kommen.

Gemeinsam stark

Digitales Arbeiten kann Freude machen und die konzentrierte Arbeit unterstützen. Doch das funktioniert nur, wenn die virtuelle Zusammenarbeit gesund und bewusst gelebt wird. Reflektieren Sie mit ihren Kolleg*Innen gemeinsam, was Sie aus den letzten Wochen gelernt haben und was Sie gemeinsam zukünftig noch besser machen können. Wir alle stehen erst am Anfang der digitalen Zusammenarbeit. Doch sicher ist: Sie wird bleiben.

Umso mehr gilt es, gesunde Wege der digitalen Zusammenarbeit zu fördern, damit wir alle langfristig als Mitarbeitende, Führungskräfte und Unternehmer von den digitalen Möglichkeiten profitieren können.

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Digitale Angebote von mynd:way zur Corona-Krise:

Information zur Autorin: 

Dr. Martina Dopfer ist Vorreiterin in der Verknüpfung von Digitaler Innovation, Entrepreneurship und Achtsamkeit. Durch ihre Promotion an der Universität St. Gallen, am HIIG in Berlin und an der UC Berkeley über digitale Geschäftsmodellinnovation von Startups und etablierten Unternehmen hat sie ein wissenschaftliches Kognitionsmodell für die Gestaltung von Veränderungsprozessen entwickelt. Die Neurowissenschaft ergänzt ihren Zugang um die menschliche Bewusstseinsperspektive. Diese wird zunehmend wichtiger, um die Veränderungen in der Arbeitswelt zu verstehen und sinn- und wertorientiert zu begleiten, ohne die Veränderungen auf Pauschallösungen zu reduzieren. 

Frau Dr. Dopfer ist Autorin von “Achtsamkeit und Innovation in integrierten Organisationen”, Gründercoach und Gründerin von myndway. myndway bringt den ganzheitlichen Transformationsansatz von Frau Dr. Dopfer in achtsamen Entwicklungskonzepten für Mitarbeiter, Führungskräfte und Teams zusammen. Ziel von myndway ist es, Achtsamkeit und Agilität vom On- bis zum Offboarding als Allgemeingut ins Unternehmen zu bringen. 

Als Speaker und Beraterin trägt Frau Dr. Dopfer ihre Vision von menschlichen und erfolgreichen Unternehmen in die Welt.

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