Resilienz in stürmischen Zeiten

Die Corona Krise zieht sich in die Länge und das schlägt auf die Psyche. Mitarbeitende im Home Office erleben Stress durch Isolation oder gleichzeitiges Management von Familie und Arbeit. Verstärkt wird der alltägliche Stress durch widersprüchliche News und Statistiken und negative Wirtschaftsprognosen.

Ein bewusster Umgang mit diesen Faktoren ist wichtiger denn je. Achtsamkeit kann helfen, Stress zu meistern und Resilienz zu trainieren. Hier reichen meist schon kleine, über den Tag verteilte Übungen.

Resilienz kann man trainieren

Resilienz bedeutet nichts anders als die psychische Widerstandskraft zu trainieren. Unser Gehirn ist wie ein Muskel. Durch Aktivieren dieses Muskels, können wir lernen mit herausfordernden Situationen umzugehen. Dabei ist es wichtig zu verstehen, was passiert, wenn wir Stress erleben.

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Negative Nachrichten oder hoher Druck aus dem Umfeld lösen in unserem Gehirn etwas aus. Es sendet über verschiedene Gehirnbahnen „Gefahr“ in unseren Körper, der daraufhin reagiert. Er beginnt Stresshormone zu produzieren und sich auf eine mögliche Flucht oder eine Starre einzustellen. Evolutionsbedingt war diese Wahrnehmung der Gefahr wichtig, um zu überleben. Darum versetzt uns auch heute noch das Empfinden von Gefahr in den sog. Fight-or-Flight Modus. Gleichzeitig richtet sich aber in diesem Moment auch unsere ganze Aufmerksamkeit auf die empfundene Gefahr. Der kognitive Rahmen, in dem wir die Umwelt wahrnehmen, wird kleiner. Das bedeutet auch, der Fokus richtet sich auf uns selbst und das, was wir bereits wissen. Neues Wissen wird nur bedingt bis gar nicht vom Gehirn aufgenommen und verarbeitet. Auch unsere Fähigkeit für Mitgefühl und Empathie nimmt ab. Denn an erster Stelle geht es um das persönliche Überleben.

Wertungsfrei, emphatisch und bewusst handeln

Ein kurzfristiges Empfinden von Stress ist sinnvoll und wichtig. Stress, der über längere Zeit empfunden wird allerdings, erfordert unsere Aufmerksamkeit. Denn diese Art von Stress kann sich negativ auf unsere Gesundheit, unser kritisches Denken, auf unsere Beziehungen und auf das Finden kreativer Lösungen für Probleme auswirken.

Darum ist es wichtig, sich über persönliche Grenzen bewusst zu sein und Verantwortung im richtigen Moment abzugeben. Hier kommt die Achtsamkeit ins Spiel. Jon-Kabat Zinn, emeritierter Harvard Professor und Begründer des Programms Mindfulness Based Stress Reduction (MBSR), definiert Achtsamkeit als urteilsfreie Präsenz über den aktuellen Augenblick. Laut der aktuellen neurowissenschaftlichen Forschung haben Achtsamkeitspraktiken Effekte auf das Mitgefühl und die Empathie. Diese wirken sich auch positiv auf die Kreativität und das empfundene Selbstwertgefühl aus. Die Definition von Jon-Kabat Zinn lässt sich daher wie folgt ergänzen:

Achtsamkeit ist die Präsenz über die eigenen Handlungen, Ziele und Potenziale, die uns Menschen befähigen Verantwortung mutig zu übernehmen und Veränderungen zu gestalten. Das passiert immer in Verbundenheit mit Herz und Verstand – wertungsfrei, emphatisch, bewusst.

(myndway.com)

Herausforderungen des digitalen Arbeitens

Homeoffice, Remote Arbeit und digitale Teamkollaboration wurden mit der Corona-Krise plötzlich Alltag. Lange ersehnt, konfrontierte diese Art des Arbeitens allerdings viele mit ungewohnten Herausforderungen: Kommunikation findet vielfach nur noch digital statt. Bereits zwischen den Jahren 2000 und 2015 ist unsere durchschnittliche Konzentrationsspanne von 12 auf 8 Sekunden gesunken, wie eine Studie von Microsoft Canada aus dem Jahr 2015 gezeigt hat. Der Grund dafür: Wir verbringen zu viel Zeit mit Smartphones, Pings und Social Media. Auch wenn die Studie aufgrund mangelnder Wissenschaftlichkeit vielfach kritisiert wurde: Wer während der Krise die Nachrichten verfolgte oder sich in Social Media Debatten verlor, kann aus Eigenbeobachtungen bestätigen, dass die Fähigkeit, sich zu fokussieren, durch zunehmende Störungen abnimmt. Psychische Belastungen nehmen zu. Dieser Effekt wird sich gerade jetzt, wo wir noch öfter als sonst auf digitale Geräte zurückgreifen und lange Zeiten in Videokonferenzen verbringen, vermutlich noch verstärken.

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Achtsamkeit hilft, Ruhe zu finden

Regelmäßige Achtsamkeitsübungen können helfen, zur inneren Ruhe zurück zu kommen. Zum Start empfiehlt es sich, kleine Übungen in den Alltag zu integrieren:

Übung 1: Wer sich gestresst fühlt, etwa ein Ziehen in der Magengrube verspürt, kann durch kurze Atemmeditation zur Ruhe finden. Atmen Sie dazu dreimal oder viermal Mal tief ein und wieder aus. Atmen erhöht nachhaltig den Fokus und die Konzentrationsfähigkeit.

Übung 2: Richten Sie ihren Fokus auf den Körper und wandern Sie gedanklich von den Füßen bis zum Kopf. Wichtig ist nur, wahrzunehmen, wie es dem Körper geht und dabei zu entspannen. Derartige Übungen wirken auf den präfrontalen Kortex, dieser ist unter anderem zuständig für unser Erinnerungs- und Planungsvermögen.

Übung 3: Gerade in Zeiten von Homeoffice, empfiehlt sich folgende Übung: Stellen Sie sich einen Kollegen vor, dem Sie dankbar sind. Sagen Sie ihm beziehungsweise ihr in Gedanken Dankeschön und schicken Sie der Person ein Lächeln. Stress wirkt sich übrigens auch negativ auf unsere Fähigkeit aus, Mitgefühl zu empfinden. Hier können Meditationen helfen, die Empathiefähigkeit wieder zu stärken.

Übung 4: Nehmen Sie sich bewusst Pausen. Aufmerksamkeitsmeditationen unterstützen darin, den Gedankenraum zu weiten. Wo Stress Kreativität im Keim erstickt hat, ist dann wieder Platz für verrückte Ideen. Besonders, wenn Sie sich in den Pausen Abstand von Medien und anderen Kanälen erlauben.

Übung 5: Starten Sie den Arbeitstag mit einem achtsamen Kalendercheck. Gehen Sie durch die Termine, die für den Tag im Kalender stehen und fragen Sie sich selbst: Welche dieser Termine kann ich streichen? Welche dieser Termine sind wichtig? Sagen Sie dann freundlich alle Termine ab, die Sie als nicht unbedingt nötig erachten und schaffen Sie Raum für sich und Ihren Fokus.

Übung 6: Fragen Sie sich anhand der Darstellung in Abbildung 1: Wie geht es mir heute? Fühle ich mich gesund? Gibt es Konflikte in einer Beziehung zu einem Freund, Familienmitglied oder Partner? Markieren Sie Ihre Antwort auf den Pfeilen und schreiben Sie danach, ohne abzusetzen, fünf Minuten lang alles auf, was Ihnen dazu einfällt. Die Übung hilft, sich über Emotionen, Sinnesempfindungen und langfristig auch über limitierende Glaubenssätze bewusst zu werden.

Das How Are You Dashboard

Offenheit und Veränderungsbereitschaft fördern

Bereits kleine Übungen unterstützen unsere Resilienz. Das Training hilft, Herausforderungen im Alltag zu begegnen. Es fördert den Fokus und die Konzentrationsfähigkeit während der Arbeit und unterstützt das kritische Denken. Das Training hilft uns außerdem darin, uns zu organisieren und unsere Beziehungen mit Kolleg*Innen auch digital zu pflegen. Der Effekt von Achtsamkeitsübungen auf das Selbstwertgefühl ist überdies nicht zu verachten. Gerade in Zeiten von Veränderung kann sich dies positiv auf unseren inneren Künstler und die Fähigkeit, kreativ Probleme anzugehen, auswirken.

Unternehmen sollten daher den Raum geben, Neues zu testen und damit eine vertrauensvolle Beziehung fördern.

Will man als Unternehmen innovativ bleiben, braucht man Mitarbeitende, die gestärkt aus der Krise gehen. Offene Dialoge, befähigende Führung und die Einladung dazu, sich nicht nur als Mitarbeiter*In, sondern auch als Mensch in das Unternehmen einzubringen, sind wirksame und achtsame Wege, eine zukunftsfähige Organisation zu entwickeln.

Mehr Übungen, Reflexionsfragen und Micro-Practices in Dr. Martina Dopfers Buch „Achtsamkeit und Innovation in integrierten Organisationen“.

Wir beraten Dich gerne zu Strategien für mehr Achtsamkeit in Deinem Unternehmen. Schreibe uns gerne eine Email an info@myndway.com

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Information zur Autorin: 

Dr. Martina Dopfer ist Vorreiterin in der Verknüpfung von Digitaler Innovation, Entrepreneurship und Achtsamkeit. Durch ihre Promotion an der Universität St. Gallen, am HIIG in Berlin und an der UC Berkeley über digitale Geschäftsmodellinnovation von Startups und etablierten Unternehmen hat sie ein wissenschaftliches Kognitionsmodell für die Gestaltung von Veränderungsprozessen entwickelt. Die Neurowissenschaft ergänzt ihren Zugang um die menschliche Bewusstseinsperspektive. Diese wird zunehmend wichtiger, um die Veränderungen in der Arbeitswelt zu verstehen und sinn- und wertorientiert zu begleiten, ohne die Veränderungen auf Pauschallösungen zu reduzieren. 

Frau Dr. Dopfer ist Autorin von “Achtsamkeit und Innovation in integrierten Organisationen”, Gründercoach und Gründerin von myndway. myndway bringt den ganzheitlichen Transformationsansatz von Frau Dr. Dopfer in achtsamen Entwicklungskonzepten für Mitarbeiter, Führungskräfte und Teams zusammen. Ziel von myndway ist es, Achtsamkeit und Agilität vom On- bis zum Offboarding als Allgemeingut ins Unternehmen zu bringen. 

Als Speaker und Beraterin trägt Frau Dr. Dopfer ihre Vision von menschlichen und erfolgreichen Unternehmen in die Welt.


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